OPAL – Postforma Urnen: die Einzigartigkeit von Menschen im Design widerspiegeln

Der Bremer Designer Peter Schwartz bringt frischen Wind in die Bestattungsbranche – mit individualisierten Urnen aus dem 3D-Drucker.

Entstanden ist die Idee zufällig. „Wie kann man die Einzigartigkeit von Personen im Design von Produkten ausdrücken?“, war die Leitfrage, unter der Peter Schwartz den Prototypen der individuellen Urne formte. Einen cremefarbenen, zart schimmernden Körper mit zufälligen Ausbuchtungen. „Ich hatte nicht die Absicht, eine Urne zu machen“, so der Bremer Designer. „Glücklicherweise! Denn so konnte ich ganz frei überlegen. Auf die Idee mit dem Algorithmus wäre ich sonst nicht gekommen.“

 

Würdevolles schaffen – dem Individuum gerecht werden

Der zum Patent angemeldete Algorithmus ist das Herzstück des Startups: ein Programm, das aus Informationen aus dem Leben der Verstorbenen die individuelle Form der Urne generiert. Name, Geburtsdatum, Sterbedatum – verschiedene Daten fließen ein und machen aus der Grundform ein Unikat. Dazu kann Schwartz‘ Kundschaft aus unterschiedlichen Hölzern für Deckel und Boden wählen. Eher rund oder kantig; Birne, Esche oder Nuss: „Jede Urne ist einzigartig“, so Schwartz, „das ist das Besondere.“ Sein Ziel ist es, in der Einmaligkeit besondere Wertschätzung gegenüber dem Verstorbenen auszudrücken. „Bei der Trauerfeier geht es darum, Revue passieren zu lassen, wer die Person war. Für diesen Moment möchte ich etwas schaffen, das würdevoll ist und die Person repräsentiert.“

 

„Die Auseinandersetzung mit dem Tod wird populärer.“

 

Neue Möglichkeiten dank 3D-Druck

Damit bringt er etwas völlig Neues in die Bestattungsbranche. Denn egal ob Premium oder Low Budget, ob schlicht oder verspielt: Särge und Urnen sind vorgefertigte Massenprodukte. „Individualisierung ist ein ganz starker Trend, und den greifen wir mit OPAL – Postforma Urnen auf“, erklärt Peter Schwartz. „Außerdem ist das Thema Vorsorge im Kommen, man könnte sagen: Die Auseinandersetzung mit dem Tod wird populärer.“ Ein dritter Trend ist die zunehmende Verschiebung hin zur Feuerbestattung. Und final ist es Technologie, die das Startup möglich macht: „Die 3D-Drucker sind mittlerweile so weit, dass individuelles Produktdesign umsetzbar ist“, so der Jungunternehmer. Ring für Ring trägt der Drucker das Material auf, bis das fertige Einzelstück anschließend mit den restlichen Komponenten zu der gewünschten Urne zusammengefügt wird.

 

Innovation in einer trägen Branche

Die Resonanz auf die innovativen Produkte ist sehr positiv. Auf der Bremer Messe „Leben und Tod“ präsentierte Schwartz seine Urnen erstmals der Bestattungsbranche und nahm durchweg gutes Feedback mit nach Hause. Designer sind hier selten, insbesondere jüngere. „Allerdings ist die Branche leider etwas träge und gewöhnt sich nur langsam an Neues. Wir müssen abwarten, wie sich die positiven Rückmeldungen in Zahlen niederschlagen.“ Derzeit ist Schwartz dabei, direkte Kontakte zu den Bestattern aufzubauen und seine individualisierten Urnen dort zu platzieren. Für rund 700 Euro sind die Unikate über die Bestattungsinstitute erhältlich.

 

„Bei der Trauerfeier geht es darum, Revue passieren zu lassen, wer die Person war. Für diesen Moment möchte ich etwas schaffen, das würdevoll ist und die Person repräsentiert.“

 

Unterstützung beim Gründen

EXIST-Team Peter Schwartz und Kristina Krauss

Dass Schwartz so weit gekommen ist, ist auch den Bremer Startup-Förderstrukturen zu verdanken. Begleitet und unterstützt von der BAB – Die Förderbank für Bremen und Bremerhaven konnte er 2014/2015 im Rahmen des BRUT-Programms seine Geschäftsidee schärfen und den Business-Plan schreiben. Damit bewarb sich der Designer anschließend für das EXIST-Gründerstipendium – und gewann die einjährige Gründerförderung. Ein Glücksfall für Schwartz, dem schon früh klar war, dass er sich selbstständig machen würde. „Als Designer angestellt zu sein, finde ich schwierig. Ästhetik und Geschmack ist immer ein Bestandteil eines Designs und kann dann schnell im Konflikt mit den Vorstellungen des Chef-Designers stehen. Daraus ergibt sich eine Spannung, die sehr lähmend für die Produktentwicklung sein kann.“

 

Abbaubares Material – eine Gewissensfrage

Gelernt hat er auch, „Nebenprobleme“, die zunächst nicht so wichtig scheinen, direkt anzupacken. „Irgendwann fallen sie auf dich zurück und du musst sie auf die Schnelle lösen.“ So ging es Schwartz mit dem Material, aus dem die Urnen hergestellt werden. Das Produkt, das das Startup anfangs nutzte, war zwar zertifiziert abbaubar – allerdings nicht in der freien Natur, sondern in einem Bioreaktortank bei 200 Grad Celsius und in der Spanne eines Jahres. „Das ist eine Gewissensfrage“, so der Designer. „Final haben wir entschieden, das Material zu wechseln. Wenn wir das gleich am Anfang gemacht hätten, hätten wir uns viel Arbeit erspart.“

 

http://www.opal-postforma.de/